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FAQ 2: Wie geht "Ottonormalverbraucher" an die Gesundheitsinformationsrecherche ran?

Kurzantwort: Mit Google

Hintergrund: Etwa ein Drittel der Deutschen haben das Internet im Jahr 2007 mindestens einmal monatlich zur Recherche im medizinischen Bereich genutzt, aber auch zur Kontaktaufnahme mit Gleichgesinnten oder mit Gesundheitsversorgern (Quelle: Focus). Am weitaus häufigsten werden hierbei Suchmaschinen als Einstiegspunkt für die Informationsrecherche genutzt. Hierzulande liegt der Anteil der Suchmaschine Google laut der Webstatistiken von Webstat bei 88.5% (Stand 21.9.2009), wobei auch T-Online mit 2.0% Marktanteil von Google betrieben wird (In Amerika fallen die Zahlen für Google mit 64,6% nicht ganz so dominant aus). Diese Zahlen ergeben zusammen monopolartige 90.5% Marktanteil für Google in Deutschland. Dieser Anteil legt auch nahe, wie Ottonormalverbaucher an die Suche von Gesundheitsinformationen herangeht: Er nutzt, wie für fast alle seine Anfragen, die Suchmaschine Google, nicht selten in Form einer Ein-Wort-Suche. Oft geht dies schneller als eine URL einzutippen. Nicht umsonst ist auch "googlen" schon 2004 in den Rechtschreib-Duden aufgenommen worden.

Eine Studie vom Bundesverband digitale Wirtschaft (BVDW) und Phaydon hat die Nutzer beobachtet und eine Untersuchung zum Rezeptionsverhalten auf Google-Ergebnisseiten durchgeführt. Die Studie macht deutlich, dass die Position des Suchergebnisses das wichtigste Selektionskriterium für die Nutzer darstellt. In den unterschiedlichen Untersuchungsszenarien erfolgen 45 Prozent der Klicks auf den oberen organischen Suchergebnissen, vier von zehn Klicks gehen auf die oberen, linken Anzeigen (Abb. 2). Die oberen Suchergebnisse fallen dabei nicht nur schneller ins Auge, sondern auch die Anordnung suggeriert den Nutzern, dass an oberster Stelle die Suchergebnisse mit der höchsten Relevanz stehen.

Nach Googleuntersuchungen sind es die Top 3, die vornehmlich wahrgenommen werden. Dabei unterscheiden die meisten Nutzer nicht, ob die ersten Treffer Anzeigen sind oder echte Treffer.

Vor diesem Hintergrund ist nicht erstaunlich, dass Wirtschaftsunternehmen massiv darum kämpfen mit ihren Angeboten bei Google in den Top 3 zu landen. SEO heißt das Zauberwort: Search Engine Optimization. Und da in Deutschland Google absolut marktdominant ist, heißt das soviel wie Google-Optimierung. Da wird es für Google immer schwieriger wirklich relevante Treffer nach oben zu bringen. So ist festzustellen, dass je wirtschaftlich interessanter ein Thema ist, bei Eingabe eines Suchbegriffs auch entsprechende Firmen mit Eigeninteresse in dieser Thematik oben stehen. Ein SEO-Anbieter schreibt es nochmal deutlich: In jedem Fall haben die Suchmaschinenergebnisse 1-5 eine deutlich höhere Erfolgschance als die bezahlten Ergebnisse auf der rechten Seite des Bildschirms. Entsprechend hoch ist ihre betriebswirtschaftliche Relevanz einzuschätzen.

Alternative Rechercheeinstiegspunkte spielen bei den Nutzern kaum eine Rolle. Am ehesten sind hier noch die großen multithematischen Gesundheitsportale zu nennen. Aber auch Diskussionsforen werden (insbesondere von weiblichen Nutzern) als Einstieg zur Informationsbeschaffung genutzt. Hier besteht der Vorteil, dass man individuelle Probleme diskutieren kann. Allerdings schwankt die Qualität der Beiträge bzw. Antworten extrem und ist auch ein leichtes Ziel für Pharmamarketingaktivitäten. Institutionen wie das IQWIG mit seinem Angebot www.gesundheitsinformation.de sind den meisten Bürgern dagegen weitgehend unbekannt, obwohl diese anerkanntermaßen aufwändig und nach publizierten Evidence-Based-Medicine-Kriterien aufbereitet werden.

Abschließende Bewertung: Die Suche nach Gesundheitsinformationen findet hauptsächlich über Google statt. Alles was dort nicht in den Top5-Treffern zu finden ist, wird kaum noch wahrgenommen. Durch immer aufwändigere SEO (Search-Engine-Optimization)-Maßnahmen wird versucht in diese Top5 zu kommen. Das macht es Google extrem schwer wirklich relevante Treffer anzuzeigen. Wissenschaftliche Inhalte treten in den Hintergrund und müssen der SEO-Power von kommerziellen Angeboten weichen.
Weitere (weit seltenere) Startpunkte für "Otto-Normalverbraucher" stellen die News- und Gesundheitsportale. Auch Diskussionsforen spielen insbesondere bei weiblichen Bürgern eine Rolle.

Stand: September 2009

 

Nachtrag (26.08.2011): Interessant in diesem Zusammenhang eine Untersuchung der Health on the net Foundation (HON) in 2011. Die Fragestellung lautete: "Wie sucht die Öffentlichkeit nach Online-Gesundheitsinformationen?"

Ergebnisse der Befragung unter: http://www.hon.ch/Survey/khresmoi_general_public_survey_results.html


Seite erstellt am: 17.09.2009 16:00:00, zuletzt geändert am: 21.09.2009 22:40:00
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